Der Rehagarten wurde zum Teil von der EU mitfinanziert über das
Projekt SiTaR (Sustainability in Tourism und Resource Management), bei dem vier
europäische Regionen in Österreich, Deutschland, Italien und Ungarn gemeinsam an
einer Weiterentwicklung der bereits bestehenden Potenziale in den Bereichen
Gesundheitstourismus, Kultur und Ökotourismus sowie Ressourcenmanagement
zusammenarbeiten.
Die beteiligten Regionen sind das Burgenland in Österreich, der
Landkreis Waldeck- Frankenberg, die Autonomen Provinz Bozen- Südtirol und
Westpannonien in Ungarn.
Die Workshops Gärtnern im Rollstuhl
und Gärtnern und seelisches Wohlbefinden wurden von
der Ergotherapie der Wicker- Klinik in Bad Wildungen ausgerichtet. Gärtnern
bietet die Möglichkeit, der Kreativität bei Planung, Ideensammlung und Umsetzung
freien Lauf zu lassen. Die eigene Selbständigkeit zur Stärkung des
Selbstwertgefühls wird gefördert. Es ist möglich ein Hobby (wieder) ausüben zu
können, um die Freizeit zu gestalten. Wir können beobachten, wie etwas wächst
und gedeiht, und haben Freude am Ernten der eigenen angebauten Gemüse oder des
Obstes. Die Sinne werden angesprochen: Sehen: Farben, Formen, Blüten, Muster
erkennen und genießen Hören: wie z.B. die Vögel singen, die Insekten summen.
Fühlen: Die Wärme der Sonne als Energiespender, der Kontakt mit der Erde, beim
Aufsammeln von Blüten und Blättern u. a. die Formen oder die Festigkeit fühlen.
Daran schließt sich auch das Gefühl im Sinne von Emotionen an.
Riechen: Der Geruchssinn ist sehr stark mit dem emotionalen
Gedächtnis verknüpft. Der Duft der Blüten, frisch gemähter Rasen, Regen der auf
den aufgeheizten Sommergarten fällt und dessen Geruch lässt uns am Garten
erfreuen Schmecken: geerntete Salate, Gemüse und Obst, das eigene schmeckt uns
oft besser, als gekauftes. Der Garten ist ein Stück Natur - er ist zwar angelegt
aber doch die Verbindung zu unserer eigentlichen Welt. Wir Menschen sind
heutzutage viel im Büro am Computer. In der Stadt befinden wir uns in einer
Betonwüste. Der Garten stellt einen Ausgleich zu unserer modernen sterilen Welt
dar. Der Stolz, die Zufriedenheit über erreichte Ziele bei der Ernte oder der
Gestaltung des Gartens und die Freude an den Sinneserfahrungen kann unser
seelisches Wohlbefinden positiv beeinflussen. Wichtig ist es hierbei die Ziele
auch erreichbar zu gestalten. Weniger ist manchmal im Ergebnis mehr.
Gärtnern kann man auf der Fensterbank, auf dem Balkon, der
Terrasse oder im "richtigen" Garten. Voraussetzung ist eine gute Planung, um ein
selbständiges und erleichtertes Arbeiten zu ermöglichen. Das, was wir angebaut
bzw. im Garten gestaltet haben, wirkt lange nach dadurch, dass wir es immer
wieder ansehen können.
Trainingseffekte beim Gärtnern
Sensomotorische Einflüsse: Kraft, Ausdauer, Grob- und Feinmotorik lassen
sich besser abrufen mit im Zusammenhang sinn- und lustvollen
Handlungssituationen. Diese waren vor einer Erkrankung oft schon weitgehend
automatisiert. Es ist häufig mehr Motivation vorhanden als bei Übungen. Es gibt
positive Effekte auf die Oberflächenund Tiefensensibilität, durch den Umgang mit
den Geräten, die Erfahrung des Spürens von Erde, Blättern, Blüten oder Kräutern.
Hirnleistungseffekte ergeben sich durch die Notwendigkeit von Planung und
Umsetzung welche die Bereiche Merkfähigkeit und Konzentration beüben.
Gesundheitsaspekte kommen durch den Anbau von Kräutern und deren Heilwirksamkeit
oder durch ätherische Öle aus Kräutern für gesundes und geschmackvolles Essen
zur Wirkung. Die Menschen übernehmen Verantwortung durch die regelmäßig
notwendige Pflege, um sich dann an den Ergebnissen erfreuen zu können. Nebenher
steigert Gärtnern die Belastungsfähigkeit, dieses Hobby mit so vielen positiven
Einflüssen ausüben zu können.
Gärtnern im Rollstuhl
Der Aufbau und die
Nutzung eines Tischbeetes: Interessierte PatientInnen aus der Klinik kamen im
Rollstuhl in den Rehagarten, um zu erfahren, welche Möglichkeiten ein Tischbeet
bietet, um erfolgreich gärtnern zu können. Das Tischbeet im Rehagarten kann vom
Rollstuhlfahrer von allen Seiten her unterfahren werden. Dass heißt die Beine
des Menschen sind unterhalb des Tischbeetes. Auf diese Weise wird der Oberkörper
in eine besonders gute Position gebracht - damit entsteht große
Bewegungsfreiheit für Pflanz-, Gieß-, und Pflegearbeiten. Gartengeräte mit
kurzen Teleskopgriffen oder ergonomisch geformten Griffen für besonders gelenkschonendes Arbeiten erleichtern die Bearbeitung des Tischbeetes. Wichtig
ist auf jeden Fall die Anbringung der beiden Bodenplatten mit einem Gefälle, die
Auslegung mit Teichfolie und ein Abfluss, damit die Erde nicht zu nass wird. Die
Erde selbst muss aus einem Gemisch mit Sand bestehen, damit eine gute
Feuchtigkeitsregulation entsteht. Es können ausschließlich wenig tief wurzelnde
Pflanzen im Tischbeet eingesetzt werden. Das können Gemüse wie z.B. Kohlrabi
sein oder Salate, aber auch Blumen oder Kräuter. Eine flache Wanne in der Mitte
kann als dekorativer Zusatz das Tischbeet verschönern oder als Vogeltränke
dienen. Gartengestaltung: Die Wege für Rollstuhlfahrer müssen glatt sein,
entweder aus Beton oder aus glatten Pflastersteinen. Der Rasen kann mit
Rasengittern ausgestattet werden, damit die schmalen Reifen nicht im Gras
versinken. Es ist sinnvoll den Garten besonders pflegeleicht zu gestalten. Diese
Möglichkeit bieten entweder bodendeckende Stauden oder Hölzer, wobei die Gehölze
in der Regel langlebiger sind. Eine weitere Alternative stellt die Auffüllung
der Beete mit Rindenmulch dar. Der Rindenmulch muss in einer Schicht von
mindestens 10 cm aufgetragen werden. Vorher werden die unerwünschten Kräuter
entfernt oder mit einem für die Umwelt verträglichen Unkrautvernichter
behandelt. Sich jetzt neu auf dem Rindenmulch niederlassende Kräuter können
leicht entfernt werden, weil sie nicht mehr fest wurzeln können. Nach einem
solchen Aufwand hat man viele Jahre Ruhe, bevor ein erneutes Aufschütten von
Rindenmulch nötig wird. Beim Anbau von Obstbäumen kann auf einen für
Rollstuhlfahrer gut geeigneten Wuchs geachtet werden. Spalierobst wächst nicht
so hoch und ist besser zu erreichen, zu beschneiden und zu ernten.
Arbeitserleichternde Geräte
Aufsitzrasenmäher
können auch einem Rollstuhlfahrer die Möglichkeit der selbständigen Gartenarbeit
zurückgeben. Je nach Rumpfstabilität ist ein besonders gut unterstützender Sitz
notwendig. Das Umsetzen vom Rollstuhl auf einen solchen Rasenmäher muss geübt
werden. Teil- oder vollautomatische Bewässerungsanlagen bieten eine erhebliche
Erleichterung. Inzwischen gibt es Möglichkeiten den ganzen Garten durch eine
zeitgesteuerte programmierte Schaltuhr zu unterschiedlichen Tageszeiten zu
bewässern. Die Endstücke der Bewässerungsanlagen versprühen Nebel, sprengen,
oder lassen Wasser direkt in oder auf den Boden fließen. Gartengeräte mit
Teleskopstielen bieten eine gute Möglichkeit Beete auch auf weitere Distanz zu
pflegen. Greifhilfen dienen zur Entfernung unerwünschter Kräuter.
Garten und seelisches Wohlbefinden
Im Garten
zu sein ist für viele Menschen schon aus sich heraus entspannend und heilsam;
oft ist es aber auch schwer, wieder Zugang zu diesem heilsamen Potential zu
finden und sich im Stress und nach den Anstrengungen des Alltags Zeit dafür zu
nehmen. Daran anknüpfend bietet dieser Workshop eine kurze Einführung und eine
kleine meditative Übung zur Praxis der Achtsamkeit an. Es ist möglich darin zu
mehr innerer Ruhe, Wachheit und Klarheit zu finden, sowie die Sinneswahrnehmung
zu stärken. Die angeleitete Übung kann den Prozess unterstützen sich aus
üblichen Stressmustern und Alltagsroutine zu lösen und mehr in der Gegenwart und
bei sich selbst anzukommen. So können auch neue Erfahrungen im Garten möglich
werden.