Wicker-Magazin 13. Ausgabe 2007 - Die Zeitschrift der Wicker-Gruppe


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Ich kann nicht malen ...! - Ich kann malen ...!

von Claude Grenacher
Kunsttherapeut, grenacher@wicker-klinik.de

Wenn es darum geht sich so wenig wie möglich zuzutrauen, sind wir Erwachsene den Kindern weit voraus. Kreativität, Neugierde, Abenteuergeist, Unbefangenheit und Vertrauen sind die Ressourcen, die jeder von uns als Kredit mit in die Wiege gelegt bekommt. Aber schnell scheint dieser Kredit aufgebraucht. Ohne es oft wahrzunehmen, haben wir um uns herum Zäune und Mauern zu unserem Schutz aufgebaut, ohne sie ab und zu mal in Frage zu stellen.

Dadurch entstehen aus berechtigtem Schutz Zweifel, Angst und Vorurteile. Unser Horizont wird immer kleiner und unsere Handlungs­freiheit kann sich nur noch in einem ganz engen, beschränkten Raster bewegen. Für Freude, Lust und Spaß bleibt da kein Platz mehr übrig.

Gruppenarbeit Kunsttherapie

"Ich kann nicht malen ..."
Genau hier setzen wir mit der Kunsttherapie an: Malen heißt ganz elementar erstmals einen Pinsel in die Hand nehmen und damit über ein Blatt zu streichen. Dabei geht es nicht um Technik, sondern um Ausdruck.

Da wo das Kind (noch nicht von den Maßstäben Erwachsener "infiziert") im Hier und Jetzt ganz konzentriert seinen Raum ausbaut und gestaltet, steht der vernünftige Erwachsene schon unter Leistungsdruck und Selbstzweifel.
Er steht nicht im Kontakt mit seinem Innern, sondern sein "Gefühl" wird von außen be­herrscht.

Genießen, Spaß haben, Erfahrungen sammeln kann ich nur im Hier und Jetzt, und das wirkt sich auf das Nachher aus. "Der Weg ist das Ziel", sagen diejenigen aus dem fernen Osten, oder "ich weiß nicht wo ich hingehe, aber ich gehe trotzdem", sagen sie im "Laissez-faire-Land". Ist es anders rum, beeinflussen meine meist zu hoch gestellten Erwartungen (zu oft fremdbestimmt!) mein jetziges Erleben, kann ich nur Druck und Stress empfinden. Keine Chance, die Lebensqualität positiv zu füttern. Es macht also etwas aus, mit welchen Erwartungen ich in den Tag gehe. Es sind die Gefühle, die mit den Erfahrungen einhergehen, die meine Handlungsfreiheit bestimmen. Durch mein Selbst-Bewusst-Sein kann ich diese wahrnehmen und so bewusster urteilen und Entscheidungen treffen.

"Ich kann nicht malen ..."
Wie werden die Anderen wohl über mich urteilen (endet meistens in Selbstabwertung)? Hätten die Impressionisten so gedacht (sich auf das Urteil der andern verlassen), gäbe es keine berühmten Seerosen von Monet.
Frei vom Zieldenken, vom Leistenmüssen, kann ich mir Freiräume schaffen, wo ich selbst meine Leistung "bewerten" kann.

Dieses Gefühl der Freiheit und der wiedergefundenen Kreativität werde ich als positive Erfahrung aus der Kunsttherapie mitnehmen und ins alltägliche Tun mitnehmen.

... und eigentlich noch viel mehr! Ich bin kreativ und bestimme selbst, wie ich mit der Situation umgehe und wie ich mich dabei fühle.
... und eigentlich noch viel mehr! Ich bin kreativ und bestimme selbst, wie ich mit der Situation umgehe und wie ich mich dabei fühle.


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Aktualisiert am 19.02.2009 - Erstellt mit Zeta Producer Desktop CMS