Der Fachmann nennt sie "saisonal abhängige
Depression", der Laie kennt sie als Winterdepression. Barbara-Rose
Legeler bringt Licht ins Dunkel- und sagt, worauf man achten muss,
wenn der "Winterblues" bleibt.
Frau Legeler, rund 800.000 Menschen haben
es im Winter nicht leicht. Sie sind energielos und ständig müde
...
Legeler: Für die saisonal abhängige Depression sind mangelnde Dauer
und geringe Intensität natürlicher Beleuchtung die Ursachen.
Hormonelle Rückkopplungen, die durch intensiven Lichteinfluss im
Frühjahr und Sommer ausgelöst werden, sind stark reduziert. In den
skandinavischen Staaten sind die Folgen mangelnden Lichts extrem,
die Selbstmordrate ist dort hoch. Man sollte das Ganze also nicht
herunterspielen, vor allem nicht, wenn die Depression chronisch
wird.
Was kann man gegen die Winterdepression
tun? Müssen Medikamente her oder helfen - wie beim Schnupfen -
Hausmittel?
Legeler: Die Zeit der sogenannten Winterdepression dauert in der
Regel von November bis Februar. Einfachste Mittel dagegen sind
vitaminreiche Ernährung und soviel Bewegung wie möglich an der
frischen Luft. Ein Besuch im Sonnenstudio kann auch helfen.
Und was halten Sie von der neuen
Lichttherapie, bei der man sich 1 Stunde vor ein Gerät mit 2.500
Lux setzt?
Lichttherapie kann helfen, meistens reicht es schon aus, die
belichtete Tageszeit auszunutzen, um sich nicht von künstlicher
Bestrahlung abhängig zu machen. Dazu kann man auch in der
Mittagspause um den Block gehen statt in der Kantine zu sitzen.
Körperliche Bewegung wirkt stimmungsaufhellend, dafür muss man aber
nicht gleich zum Marathonläufer werden. Vom Schreibtisch aufstehen,
zum Fenster gehen, es öffnen und durchatmen ist ein Anfang.
Anzuraten ist auch immer, fettes, unverdauliches Essen zu meiden.
Sich mit Freunden treffen, Spiele machen statt vor dem Fernseher zu
sitzen, den Kopf beschäftigen, zum Beispiel mit Kreuzworträtseln
oder mit anregenden Büchern. Also nicht nur die Beine bewegen,
sondern auch die Gehirnzellen.
In einigen Wochen fängt ja das Frühjahr an.
Kommt man dann vom Regen in die Traufe, also von der
Winterdepression in die Frühjahrsmüdigkeit?
Wenn man seit November nur auf dem Sofa gesessen hat, wundert es
nicht, wenn man im Frühjahr nicht in die Gänge kommt. Hier hilft
nur ein selbst verordnetes Fitnessprogramm, das man mit
vitaminreicher Kost ergänzen kann. Man sollte sich auch selbst
bestärken, das Denken über sich selbst ändern. Wer sagt "Immer bin
ich depressiv" bestärkt sich anders als jemand der sagt "Im Winter
bin ich bisher depressiv geworden". Da lässt man sich die Zukunft
offen. Wichtig ist, mit sich selbst gut umzugehen, sich selbst zu
aktivieren aber ohne sich zu zwingen. Wichtig ist auch, den
Tagesablauf abwechslungsreicher zu gestalten. Also nicht immer
dasselbe essen, dieselben Wege gehen, dieselben
Beschäftigungen.
Wenn die Winterdepression nicht weichen
will, was sollte man dann tun?
Wir alle kennen ja Tage, wo wir nicht aus dem Bett kommen, wo es
schwieriger wird, aufzustehen. Wo man am liebsten zu Hause bleiben
würde. Das ist alleine für sich keine Erkrankung. Wenn dieser
Zustand über Wochen anhält, wenn man tatsächlich liegen bleibt,
wenn man nicht mehr schafft zur Arbeit zu gehen, Schlafstörungen
bekommt, infektanfälliger wird und sich Ängste und Schuldgefühle
einstellen, wenn man Angst vor dem Tag entwickelt, nicht mehr aus
dem Haus geht, hat das Ganze Krankheitscharakter. Man sollte dann
in jedem Fall seinen Hausarzt aufsuchen, der weitere Schritte
einleitet.
Haben Sie einen persönlichen Tipp für Bad
Oeynhausen, um sich gut im Frühjahr in die Gänge zu
bringen?
Ich empfehle ganz einfach den Gang durch den Kurpark. Genießen Sie
die erwachende Natur. Perspektive zu entwickeln fällt oft leichter,
wenn die Natur Perspektive entwickelt. Und wenn Sie können:
arbeiten Sie im Garten.
Quellenangabe: Momente 1/2006 |
Sabine Hackmann