|
von Prof. Dr. med. Manfred Heim
Arbeits- und berufsbezogene Problemstellungen spielen im
Zusammenhang mit chronischen Erkrankungen in der Rehabilitation eine wesentliche
Rolle. Rehabilitationsziele und Therapieverfahren sind daher immer auch im
Hinblick auf die berufliche Tätigkeit auf der Basis des erreichten
Leistungsvermögens auszurichten. Die berufliche Reintegration bei Tumorpatienten
stand lange Jahre weitgehend im Hintergrund. Durch die Verbesserung der
Ergebnisse der Tumortherapie, die Chronifizierung vieler Krebserkrankungen und
den Wunsch vieler Patienten, in das Berufsleben zurückzukehren, spielt heute
auch die berufliche Reintegration in der stationären onkologischen
Rehabilitation eine wichtige Rolle. Aus diesem Grund hat die Sonnenberg-Klinik
in Bad Sooden-Allendorf ein Konzept und Behandlungspfade zur beruflichen
Orientierung in der medizinischen Rehabilitation (MBO) erstellt. Hierbei handelt
es sich um ein interdisziplinäres Konzept, an dem alle Fachgebiete beteiligt
sind. Der aufnehmende Arzt erhebt ausführlich eine Arbeits- und Berufsanamnese
und bespricht mit dem Patienten die im Aufnahmebogen und im
Belastungsthermometer angegebenen Angaben. Ergibt sich eine berufliche
Problemlage, prüft der Arzt, ob ein spezielles MBO-Rehaprogramm sinnvoll ist.
Der Arzt stellt die Rehadiagnosen fest und prüft welche
Funktionseinschränkungen, Einschränkungen von Aktivitäten und Teilhabe bestehen
und welche Kontextfaktoren, insbesondere Barrieren oder Förderfaktoren wirksam
sind. Anschließend werden gemeinsam mit dem Patienten die Reha-Ziele
aufgestellt, die relevant, verständlich, messbar und durch Verhaltensänderungen
erreichbar sein sollen (RUMBA-Regel). Der Arzt stellt dann in Abstimmung mit dem
Patienten einen Rehabilitations- und Therapieplan auf, um die formulierten
Reha-Ziele zu erreichen und die berufliche Reintegration vorzubereiten.
Therapieangebote mit spezieller medizinisch beruflicher Orientierung: Im
einzelnen sind dies zum Beispiel: Rückenschule, Wirbelsäulengymnastik, Manuelle
Lymphdrainage, komplexe physikalische Entstauungstherapie,
Einzelkrankengymnastik, Stimmtherapie, Sprechtherapie, Artikulationsförderung,
"Kompetenztraining", Funktionstraining, Alltagstraining, Hilfsmittelgebrauch,
ADL, Wahrnehmungstraining Belastungserprobung, Bewegungsergonomie,
Psychoonkologische Interventionen, Entspannungstraining und Stressmanagement,
gezielt psychologische Testverfahren. Bei der Abschlussuntersuchung überprüft
der Arzt, auch anhand der Abschlussberichte der Therapieabteilungen, die
Reha-Ergebnisse und führt ein Assessment durch. Er bespricht die Reha-Ergebnisse
mit dem Patienten. Wenn die berufsbezogene Funktionsfähigkeit weitgehend wieder
hergestellt ist, wird mit dem Patienten die Möglichkeit der stufenweisen
Wiedereingliederung besprochen. Ist die berufsbezogene Funktionsfähigkeit noch
nicht wieder hergestellt, aber ein Erhalt des Arbeitsplatzes möglich, werden mit
dem Patienten berufsfördernde Maßnahmen, wie Arbeitsplatzgestaltung,
innerbetriebliche Umsetzung oder Qualifizierungsmaßnahmen besprochen. Ist
grundsätzlich die Erwerbsfähigkeit als wiederherstellbar anzusehen, so werden
mit dem Patienten ebenfalls Qualifizierungsmaßnahmen, ggf. Umschulung nach
Beratung mit der Rehaberaterin der DRV-Bund besprochen.
|